19 März Pharmazeutische Dienstleistungen am Scheideweg? Studie im Auftrag der Freien Apothekerschaft belegt deutliche Rentabilitätslücken
Die Einführung honorierter Pharmazeutischer Dienstleistungen (im Folgenden pDL) markierte einen strukturellen Wandel im Leistungsangebot deutscher Apotheken: Erstmals erhielten sie die Chance, ohne Hinzuziehung des Arztes eine abrechenbare Leistung zu initiieren. Schnell wurde jedoch klar, dass dieses Angebot kein Selbstläufer ist. Nach wie vor werden pDL eher zurückhaltend von Apotheken angeboten.
Die Freie Apothekerschaft e.V. nahm dies zum Anlass, die Prof. Kaapke Projekte mit einer ökonomischen Studie zu beauftragen, in deren Mittelpunkt die Untersuchung der Akzeptanz und Rentabilität der zum Befragungszeitpunkt abrechenbaren pDL stand. Über 600 Apotheker beteiligten sich an der empirischen Untersuchung im IV. Quartal 2025.
Das Ergebnis fiel ernüchternd aus. Zwar boten immerhin 78,1 % der 634 beteiligten Apotheken mindestens eine pDL an, doch zeigten sich deutliche Präferenzen für bestimmte Dienstleistungen: Während bspw. die Einweisung in die Inhalationstechnik und die erweiterte Medikationsberatung mit einer Angebotsquote von jeweils rund 70 Prozent (73,3 % bzw. 67,7 %) unter den Befragten gut etabliert erschienen, wurden die Grippe- und Coronaimpfungen deutlich seltener durchgeführt (19,6 % bzw. 14,4 %).
Die Studie identifiziert mehrere signifikante Barrieren für das Angebot von pDL. Dazu gehörten neben einer mangelnden Wirtschaftlichkeit insbesondere Ressourcenmangel im Sinne von Personalnot, hohem Dokumentationsaufwand und räumlichen Anforderungen. Bezogen auf das Angebot von Impfungen zeigte sich außerdem eine große Sorge vor Kompetenzstreitigkeiten mit der Ärzteschaft.
Da die Frage der Wirtschaftlichkeit im Mittelpunkt der Studie stand, wurden diesbezüglich weitere Berechnungen angestellt. Kernstück der Analysen war die Ermittlung eines Rentabilitätsindikators, der die tatsächlich benötigte Zeit für die Durchführung einer pDL ins Verhältnis setzt zu der Zeit, die (angesichts der gesetzlichen Honorierung) für eine kostendeckende Durchführung zur Verfügung steht. Ein Indikatorwert von 1,0 markiert somit die Kostendeckungsgrenze (Kostenneutralität). Werte darüber deuten darauf hin, dass das veranschlagte Honorar nicht die Kosten der Erbringung der Dienstleistung deckt und diese Leistung tendenziell ein Verlustgeschäft für die Apotheke darstellt. Einen Deckungsbeitrag erzielt die Apotheke bei Werten unter 1.
Die Analyse offenbarte ein deutliches Defizit. Für einen relevanten Anteil der Apotheken erscheint das Angebot der honorierten pDL wirtschaftlich nicht rentabel. Als Beispiel sei die Risikoerfassung bei Bluthochdruck angeführt. Sie geriet in mehr als jeder zweiten Apotheke defizitär. Rechnet man noch die kostenneutral anbietenden Apotheken dazu, ließen sich hier nur bei einer von drei Apotheken Überschüsse erzielen. Das macht das Angebot riskant. Dennoch gehörte es in der Untersuchung zu den Top-Drei-Angeboten, was die Angebotshäufigkeit anbetrifft. Das stabilste wirtschaftliche Profil wies die Einweisung in die Inhalationstechnik auf. Hier errechnete sich für rund 90 Prozent der Apotheken ein Überschuss oder ein kostenneutraler Wert.
Die vorliegenden Daten stützen die aktuelle Entscheidung des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), neu mit der GKV über die Honorierung der pDL zu verhandeln und eine auskömmliche Honorierung anzustreben. Gleiches gilt für die im Zuge der Apothekenreform geplanten neuen pDL. Zudem gilt es, die aktuellen Pläne des Bundesgesundheitsministeriums, nicht abgerufene pDL-Mittel für die allgemeine Honorarerhöhung umzuwidmen, zumindest teilweise zu verhindern. Denn die Studie zeigt: Das Potenzial ist vorhanden, die notwendigen Erfahrungswerte liegen vor. Nun ist es (auch) an der Politik, eine auskömmliche Vergütung für die pDL sicherzustellen, um diese dauerhaft in der Fläche zu etablieren.
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